Es war im Sommer 2011, als ich zum ersten Mal am heimischen Frühstückstisch aussprach, was mir schon geraume Zeit durch den Kopf gegangen war. „Also“, sagte ich zu meiner Frau Irmela, „wenn ich demnächst im Vorruhestand bin, dann habe ich eine besondere Idee, was ich mit meiner neuen Freiheit anfangen könnte.“ „Fotografieren?“, war ihre spontane Rückfrage. „Ja auch.“ Ich zögerte noch, meine wahre Idee preiszugeben. Aber es musste raus! „Fotografieren ist auch schön, aber ich möchte ein Buch schreiben. Und zwar einen Krimi!“ „Ein Buch? Hast du noch nie gemacht. Aber doch, find ich super! Ja, dass solltest du machen!“ Ganz ähnlich reagierten die übrigen Familienmitglieder und, auch das war mir wichtig, meine Kolleginnen und Kollegen am Berufskolleg Lübbecke. So mutierte ich nach Jahrzehnten als Krimileser zum Krimiautor und machte ich mich an die Arbeit, wobei die Arbeit zunächst keineswegs darin bestand, Sätze zu formulieren und aufs Papier zu bringen respektive in den Computer einzugeben. Nein, die Arbeit begann sozusagen im Kopf. Über eine lange Zeit bildeten sich Charaktere und Handlungsabläufe heraus. Nur zwei Dinge waren von Anfang an klar: Zum einen würde es ein Polizeikrimi werden, bei dem die Leserinnen und Leser ein Ermittlungsteam der Polizei begleiten. Zum anderen war ebenso von vornherein klar: Die Geschichte würde in meiner Heimat spielen, in Ostwestfalen, vor allem in Bielefeld und meiner Geburtsstadt Herford. Alles andere wäre Unsinn, denn dort bin ich zu Hause, dort kenne ich mich aus. Allerdings: Ich war mir des Risikos bewusst, denn meine Heimatregion ist deutschlandweit eine der am meisten verkannten Regionen. Nicht von ungefähr lasse ich deshalb meinen Protagonisten Frank Sommer am Anfang meines ersten Krimis von Köln, wo er lange Jahre Dienst bei der Kripo geleistet hat, in seine alte Heimat zurückkehren, was natürlich bei seinen Kölner Kollegen auf völliges Unverständnis stößt. Schließlich sagt Sommer: “Wir ziehen zurück nach Ostwestfalen. Ich weiß, als Kölner kannst du dir das nicht recht vorstellen. Aber es ist unsere Heimat! Im Übrigen: Landschaftlich und klimatisch reizvoller als Köln, wenn auch hier und da provinzieller.“ Und sein Kölner Kollege antwortet lapidar: „Hier und da – doch so viel!“

Rolf Düfelmeyer 2012


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